performance

Herzstück des Projektes bluttiefdruck war die Performance zur Vernissage der zugehörigen,

gleichnamigen Ausstellung.

Für die Performance kombinierte Steffen

die Techniken und Medien, mit denen die Exponate hergestellt wurden. Die Performance war somit konsequente Weiterentwicklung und zugleich Produkt der vorangegangenen acht Tätowierungen und Radierungen: Einer neunten Teilnehmerin wurde das letzte Motiv der für die Ausstellung produzierten Serie ausschließlich mit Wasser statt Farbe tätowiert. Im Anschluss wurde das durch die Perforation der Haut austretende Blut mit einem Stoff aufgefangen, wobei ein spiegelverkehrter

Abdruck des Motivs entstand.

Dieses von Steffen eigens entwickelte neue Druckverfahren benennt der Tätowierer und Künstler als Bluttiefdruck.

Zur Vernissage fand schließlich die oben beschriebene Performance statt. Mit der erstmaligen Anfertigung eines Bluttiefdrucks wurde die Serie nun um den neunten Drachen vervollständigt.

Ziel der Performance war, den schmerzhaften Prozess der Tätowierung von dem dauerhaft bleibenden Motiv zu lösen und in den Mittelpunkt zu stellen.

 

Der Teilnehmer durchsteht zwar den Schmerz, wird jedoch nicht, wie bei einer herkömmlichen Tätowierung, mit dem Motiv entlohnt. Somit ist der Prozess des Tätowierens nicht Mittel zum Zweck oder notwendiges Übel, sondern wird zum alleinigen Selbstzweck. Er bewirkt eine ausschließlich innere Veränderung des Teilnehmers, die  bei der herkömmlichen Tätowierung durch die äußere Veränderung in den Hintergrund gedrängt wird. 

Bei Bluttiefdruck spürt der Teilnehmer seinen Körper auf einmalige Weise und ist gezwungen, sich allein mit seinem Schmerz auseinanderzusetzen. So findet, wie bei einem Ritual, eine seelische Reinigung statt. Das Verschmerzen des Rituals kann, wie in psychologischen Studien gezeigt, das

Gleichgewicht des inneren Gerechtigkeitssinnes wiederherstellen.

Als Form der kultischen Reinigung wird dies auch als Sühne bezeichnet. Die Spuren des Bluttiefdrucks, die Perforation der Haut, verschwinden nach wenigen Wochen. Der Abdruck des Motivs auf Stoff bleibt als Mahnmal. Es ist ein Abbild des Schmerzes und erinnert als solches unweigerlich an das Turiner Grabtuch, welches den lebensgroßen Ganzkörper-Abdruck Jesus von Nazarets zeigen soll.

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Etienne Steffen

Neubrunnen Str. 8

55116 Mainz

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